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Stellungnahme zu Initiativantrag
zu Sonn- und Feiertagsarbeit

Erarbeitet von der Allianz für den freien Sonntag

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Aktion Linzer Bahnhof

Chronik eines nichtangekündigten Widerstandes im Linzer Bahnhof

Eines Sonntags, ganz zeitig in der früh. Bahnhof Linz neu, Sonntag um kurz vor 6 Uhr im Untergeschoss. Eingie Leute warten schon, drinnen tummeln sich gut 10 VerkäuferInnen. Ein eigenartiges Gefühl, so ganz allein den Stand aufzubauen. Wer wohl noch kommt? 6 Uhr ist schon verdammt früh am Sonntag. Auch für Widerstand. Auf der Lehne des Camping-Klappsessels klebt die Botschaft. „ICH MACHE KONSUMPAUSE“

Daneben ein kleiner Instrumenten Koffer darauf die Botschaften:
„Sonntag – frei machen für’s Leben“,
„WAS BRAUCHE ICH WIRKLICH, WIRKLICH?“;
„LEBST DU noch oder shoppst du schon wieder?“.
Kerze und Pflückbotschaften oben drauf. Sonntagspickerl. Im Rucksack Kaffee, Jongliertücher, Bücher. Endlich kommt ein Sympathisant aus St. Florian, mit Hund. Dann zwei weitere mit Klapphockern. Schon ist ein Kreis möglich. Nachtschwärmerreste, vereinzelte Residende. Spar sperrt auf. Nach 20 Minuten kommt ein ÖBB Security Mann und fragt uns, ob die Versammlung angemeldet ist. „Welche Versammlung – wir haben uns nur getroffen?“. Sozusagen unter FreundInnen. Und autonom. Die erste Frage war: Haben sie eine Genehmigung? „Spar hat ja auch keine!“ Das schafft Verunsicherung. Er greift zum Handy. Unanmeldung schafft Irritation. Nach dem Telefonat und dem Hinweis, dass wir nichts behindern wollen, outet sich die Security: Ein Aufsperren sei seiner Meinung nach nicht notwendig.

Gegen 7.15 Uhr der ORF Mann mit Mikro. Nachschauen ob’s Widerstand gibt. Nicht direkt Widerstand, KONSUM-PAUSE eben. Unterbrechung. Zum Nachdenken und Nachmachen anregen. Wir geben Interviews. Mir taugt es einfach da sitzen, Leute beobachten, wie sie vorbeischleichen und einkaufen gehen, uns aber auch anreden. Gegen 8 Uhr führen wir ein sehr ausführliches Gespräch mit dem Vize Chef von Spar OÖ. Über die Entwicklung seit 1998, die rechtliche Seite, über Löhne und Zuschläge im Handel, dass man früher Samstag Nachmittag 100 Prozent Umsatz hatte, jetzt sind es 70, dass für die Sonntagsöffnung Freiwillige gesucht und gefunden wurden, dazu auch schon Mitarbeiterinnen aus Spar-Märkten angesprochen wurden, aber auch extra Freiwillige nur für Sonntag aufgenommen wurden,… Er sagt uns noch, dass eine generelle Sonntagsöffnung rein aus finanziellen Gründen schon nicht möglich wäre. Er persönlich geht am Sonntag nicht einkaufen, er macht an solchen Tagen lieber etwas mit der Familie. Immer wieder gibt’s Kopfnicken und aufmunternde Worte. Ein Mann mit Putzmaschine sagt, wir sollten große Plakate machen und von oben herunterhängen.

Wir haben Zeit zum Reden, nur durch unsere Anwesenheit – nicht durch weise Worte und lautstarkes Auftreten – nur durch unser Da-Sein in der Hektik des Bahnhofslebens Zeichen der Umkehr und Einsicht setzen. Ist doch glatt ein Stück praktischer Advent. Widerstand soll mir selbst was bringen, denke ich. Mir hat es einen eindrücklichen Sonntagmorgen gebracht, eigentlich sehr entschleunigt mit ein paar anderen netten Menschen mein Zeichen zu setzen. Und es hat mich ermutigt, das meine zu tun – nicht mehr aber auch nicht weniger. Lustvoll.

Bericht: Fritz Käferböck-Stelzer, Betriebsseelsorger
http://www.mensch-arbeit.at